Grundlagen der Traumatherapie (NARM)

Die wichtigsten Konzepte der NARM-Traumatherapie verständlich erklärt.

Die NARM-Traumatherapie verbindet Erkenntnisse aus der Bindungsforschung, der Neurobiologie und der Psychotherapie zu einem ganzheitlichen Verständnis von Entwicklungstrauma.

Auf dieser Seite stellen wir die wichtigsten Grundlagen des Ansatzes vor und zeigen, welche zentralen Konzepte die therapeutische Arbeit nach NARM prägen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Das biopsychosoziale Verständnis
  2. Die fünf Überlebensstrategien
  3. Das neuroaffektiv-relationale Modell
  4. Identität statt Trauma
  5. Gegenwärtigkeit statt Regression

Unser Körper

... ist zutiefst mit unserem psychischen Erleben verbunden.

Sicherlich hast du schon mal die Erfahrung gemacht, wie sehr deine Gefühle den Körper beleben, wenn du z.B. Schmetterlinge im Bauch hast oder, wie deine Gefühle lähmen können, wenn dir z.B. die Angst im Nacken sitzt.

Was, wenn die Schmetterlinge im Bauch von der Wut im Bauch abgelöst werden. Darf sie dann rauskommen? Oder hast du ständig einen Kloß im Hals?

Wie stehst du im Leben? Kannst du dich gut vertreten? Was stehst du alles durch? Trägst du eine Last auf den Schultern? Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen? All diese Bilder machen anschaulich, wie sehr Gefühle, psychische Konflikte und Stress mit dem Körper zusammenhängen.

Dein Körper drückt über verschiedenste Symptome dein emotionales Befinden aus.

Das biopsychosoziale Verständnis

Die NARM-Traumatherapie betrachtet den Menschen als eine untrennbare Einheit aus Körper, Gefühlen, Gedanken, Nervensystem und Beziehungen. Diese Bereiche beeinflussen sich fortwährend gegenseitig und lassen sich nicht voneinander trennen.

Belastende Erfahrungen wirken sich deshalb nicht nur auf unsere Gedanken oder Gefühle aus. Sie können sich ebenso in unserem Körper, unserem Stresserleben, unserem Selbstbild und in der Art zeigen, wie wir Beziehungen gestalten.

Aus dieser ganzheitlichen Sicht richtet sich die therapeutische Begleitung immer auf den Menschen als Ganzes. Nicht einzelne Symptome stehen im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel aller Ebenen unseres Erlebens.

Unser Geist

Unser Geist kann so vieles sein. Er kann sprühen vor Inspiration, kann sich erheben und zu fernen Horizonten schweifen, er kann uns erkennen lassen.

Doch unser Geist kann auch ermattet sein. Gedanken können sich im Kreise drehen oder wie dicke, graue Wolken unser Wesen überschatten.

Manchmal fehlen kreative Ideen, oder Sorgen werden überdimensional groß und wirken wie ein Berg, der nicht zu bewältigen ist, über den man nicht mehr hinwegfliegen kann.

Unser eigentlich wunderbarer Geist kann sich gegen uns wenden, zum Kritiker werden, der uns abwertet oder der gefangen ist in ständiger Beschwerde über uns selbst oder über andere. Nicht selten lässt er uns glauben, dass sich in unserem Leben nichts ändern wird. Als hätten wir es nicht verdient. 

Werde eine selbstbestimmte Gestalterin in deinem Leben.

Die Gestalttherapie geht davon aus, dass der Mensch mit seinem komplexen Körper, seinen individuellen Gefühlen und seinem eigenen Geist eine ganzheitliche "Gestalt" bildet, die ihn als Mensch so einzigartig macht. In der Gestalttherapie geht es weniger darum, über psychische Themen nur zu sprechen, um diese zu interpretieren oder zu analysieren. Viel mehr basiert diese Form der Therapie auf dem unmittelbaren Erleben von Körper, Gefühl und Gedanken im Hier und Jetzt. Der Zugriff auf persönliche Themen geht dadurch viel tiefer, da nicht nur auf der rein kognitiven Ebene gearbeitet wird. So können echte positive Veränderungen im Leben möglich werden.

Ich arbeite erfahrungsorientiert, kreativ, körper- und gefühlsbezogen. Unter anderem mit aktivierenden und achtsamen Körperübungen, Ausdruck, Atemübungen, Haltungsintegration, Rollenspiel, therapeutischer Massage zur Regulation und mit tiefer Faszienarbeit, um muskuläre Spannungen in Verbindung mit den psychisch Themen so gut wie möglich zu lösen. Ich sehe meine Aufgabe als Therapeutin darin, einen geschützten Raum zur Verfügung zu stellen, in dem ich offen, achtsam, bezogen und präsent als authentisches Gegenüber meine Klientinnen darin unterstütze, einen besseren Kontakt zu sich selbst zu entwickeln. Je mehr du deine eigene Meisterin im Haus deiner Körper-, Gefühls- und Gedankenwelt wirst, desto mehr kannst du das Leben leben, dass du dir wünscht.

Die fünf Überlebensstrategien

Jedes Kind kommt mit grundlegenden Entwicklungsbedürfnissen zur Welt – nach Kontakt, Einstimmung, Vertrauen, Autonomie sowie Liebe und Sexualität. Werden diese Bedürfnisse über längere Zeit nicht ausreichend erfüllt, entwickelt das Kind kreative Strategien, um dennoch Sicherheit und Zugehörigkeit zu erfahren.

Diese Überlebensstrategien sind keine Schwächen oder Fehlentwicklungen. Sie waren ursprünglich sinnvolle Anpassungen an die jeweilige Lebenssituation und haben wesentlich dazu beigetragen, mit schwierigen Erfahrungen umzugehen.

Im Erwachsenenalter können dieselben Strategien jedoch ihre ursprüngliche Funktion verlieren. Was früher geschützt hat, kann heute Beziehungen erschweren, den Zugang zu den eigenen Gefühlen einschränken oder das Erleben von Lebendigkeit begrenzen. Die NARM-Traumatherapie hilft dabei, diese Muster zu erkennen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Das NeuroAffektive Relationale Modell

Der Name NARM steht für NeuroAffective Relational Model. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass unser Nervensystem, unsere Gefühle und unsere Beziehungserfahrungen eng miteinander verbunden sind.

Wie wir uns selbst erleben, wie wir auf andere Menschen reagieren und wie sicher oder unsicher wir uns in Beziehungen fühlen, entwickelt sich nicht unabhängig voneinander. All diese Bereiche stehen in einem ständigen Wechselspiel und prägen sich gegenseitig.

Die therapeutische Arbeit nach NARM berücksichtigt deshalb sowohl die körperlichen als auch die emotionalen und zwischenmenschlichen Aspekte unseres Erlebens. Veränderung wird nicht auf einer einzelnen Ebene gesucht, sondern im Zusammenspiel des gesamten Systems.

Identität statt Trauma

NARM richtet den Blick weniger auf das Trauma selbst als auf die Identität, die sich daraus entwickelt hat. Frühere Beziehungserfahrungen können dazu führen, dass Menschen bestimmte Überzeugungen über sich selbst entwickeln – etwa, nicht wichtig zu sein, anderen zur Last zu fallen oder alles alleine schaffen zu müssen.

Solche Selbstbilder entstehen meist unbewusst und begleiten uns oft über viele Jahre. Sie beeinflussen, wie wir Beziehungen gestalten, Entscheidungen treffen und mit Herausforderungen umgehen.

In der therapeutischen Begleitung werden diese Identifikationen Schritt für Schritt bewusst. Dadurch entsteht die Möglichkeit, sich nicht länger ausschließlich über alte Erfahrungen zu definieren, sondern einen neuen Zugang zur eigenen Lebendigkeit und den eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Gegenwärtigkeit statt Regression

Ein besonderes Merkmal der NARM-Traumatherapie besteht darin, dass sie konsequent im Hier und Jetzt arbeitet. Vergangene Erfahrungen werden nicht erneut durchlebt oder künstlich intensiviert. Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit auf das, was sich im gegenwärtigen Moment zeigt.

Gerade darin liegt eine besondere Stärke des Ansatzes. Denn alte Überlebensmuster werden häufig erst im heutigen Erleben sichtbar – in Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen oder in der Beziehung zwischen Klient und Therapeut.

Indem diese Erfahrungen achtsam wahrgenommen und gemeinsam verstanden werden, können sich neue innere Erfahrungen entwickeln. Veränderung entsteht nicht durch das Wiederholen der Vergangenheit, sondern durch einen bewussteren Umgang mit dem, was heute möglich ist.